Schützenswert

Lebenswerte Heimat für Mensch und kommende Generationen

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Eine Neubaustrecke für Gleis 3 und 4 würde bedeuten, dass wertvolle Landschaften für immer verloren gehen. Als Naturschutzverband begrüßt der NABU den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel. Der „ökologische Rucksack“ des Schienenverkehrs ist eben deutlich kleiner als der des Individualverkehrs. Wenn LKW-Verkehr auf die Schiene verlagert werden kann, nutzt das der gesamten Gesellschaft, da dies auf ganzer Fläche eine Reduktion von Emissionen und einen Gewinn an Verkehrssicherheit bedeutet. Die Berücksichtigung sämtlicher Belange muss bei einem solchen Großbauprojekt von einer fortschrittlichen Gesellschaft wie der unseren sorgfältig abgearbeitet werden. Der Bau einer ganz neuen, separaten Trasse an der Autobahn kommt allein wegen der Naturschutzwertigkeiten vieler der dort liegenden Flächen – im Vergleich zum schon lange beantragten Ausbau der bestehenden Strecke – nicht in Frage.


Wertvolle Landschaft für immer verloren

Eine Neutrassierung entlang der Autobahn würde fast 100 Hektar mehr Boden überbauen, teilweise in besonders sensiblen Bereichen. Es würden circa 20 Hektar unserer NATURA 2000-Gebiete sowie 7 Hektar gesetzlich geschützter Biotope zerstört. Besonders schmerzen würde der Verlust von fast 30 Hektar Wald in unserem waldarmen Rheintal. Es würden über 60 Hektar hochwertiger landwirtschaftlicher Nutzfläche unserer Bauern vernichtet, die nirgends kompensierbar sind. Außerdem würde das 3. und 4. Gleis im Bereich der A5 eine um 30 Hektar größere Inanspruchnahme in Gebieten mit hoher Grundwasserempfindlichkeit bedeuten und eine um 16 Hektar größere Inanspruchnahme in Gebieten mit hohem klimatischem Potenzial. Für viele Tiere werden die Wanderungswege von Ost nach West durch eine zusätzlich neue Hürde endgültig verbaut. Zusammengefasst: Die Existenz unserer Bauern wird bedroht, die letzten Wälder im Hochgestade verlieren empfindlich, unser Trinkwasser wird gefährdet, unsere Orte werden nicht mehr so gut mit frischer Luft versorgt und die letzten Reste der ortsnahen Naturlandschaft auf der Niederterrasse werden überbaut. Oder kurz auf die Formel gebracht: Neutrassierung an der A5 = Landschaftszerstörung im Quadrat. So darf nachhaltige Verkehrspolitik nicht aussehen!


Wie geht unsere Gesellschaft mit Natur, Landschaft, Heimat um?

Lärmemission ist ein erheblicher Umweltbelang. Lärmschutz kann am besten durch Vermeidung oder Reduzierung der Lärmquelle erfolgen. Ein Verschieben des Lärms hin zu einer neuen Trasse – wie von einigen gefordert – vermindert weder den Lärm noch löst es das Problem. Lärmschutz kann technisch am sinnvollsten an einer Quelle realisiert werden. Der NABU setzt sich bei diesem Projekt für einen optimierten Lärmschutz, wie er im Zuge des Ausbaus an der bestehenden Strecke realisiert werden kann, ein.

Während die Schwarzwaldhöhen von einem eher rauen Klima geprägt sind, mutet das Rheintal fast schon mediterran an. Mit den Rheinauen, einer einzigartigen Komposition aus kristallklaren Gießen, verwunschenen Tümpeln und Altwassern, urwaldähnlichen Auewäldern und faszinierenden Orchideenwiesen findet sich bei uns eines der urtümlichsten Naturparadiese des Landes. Flüsse verbinden! Der Rhein verbindet den Süden mit dem Norden. Weit ausgreifend zieht das Rheintal hier bei uns Ost und West zu sich heran. So vielgestaltig wie unsere Landschaft ist auch unsere Kultur. Das Rheintal ist für Bürger wie für Gäste lebens- und liebenswert und für Unternehmen attraktiv. Sensibel ist unsere Umwelt geworden. Selbstverständlich fordern wir von Ländern in der dritten Welt, deren Bürgerinnen und Bürger im wahrsten Sinne des Wortes um die Existenz kämpfen, den Schutz unserer gemeinsamen Lebensgrundlagen. Auch erwarten wir, dass dort alles getan wird, um das Aussterben von bedrohten Tier- und Pflanzenarten zu verhindern. Diese Forderung gegenüber anderen sollten wir jedoch auch zur Grundlage unseres Handelns machen.