Lösungswege

Für optimalen Lärmschutz, für die Menschen der Region

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Beim Ausbau der bestehenden Rheintalbahn besteht dank gesetzlich festgeschriebener Lärmschutzmaßnahmen die große Chance auf einen spürbar niedrigeren Lärmpegel als heute. Die deutliche Lärmreduktion an der Quelle ist mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben. Das gilt aber nur beim Neubau von Bahnstrecken. Klaus Fuhrmann von der Bürgerinitiative Bahn an die Bahn erläutert, wie an der bestehenden Bahnstrecke zwischen Hohberg und Riegel durch den Ausbau der Rheintalbahn eine deutliche Entlastung von Lärm, die noch deutlich unter der heutigen Belastung liegen wird, erreicht werden kann.

 

Herr Fuhrmann, wie bewerten Sie die Lärmentwicklung beim Ausbau der Rheintalbahn?
Klaus Fuhrmann Alle Beteiligten am Prozess sind sich einig, dass ein Ausbau der Rheintalbahn notwendig ist, damit mehr LKW auf die Schiene kommen. Neben den Vorteilen bringt das auch Nachteile mit sich, ein Punkt ist der Lärm. Leider entsteht heute schon sehr viel Lärm von vorbeifahrenden Güterzügen, aber ohne Lärmschutz. Bei einem weiteren Ausbau mit steigendem Verkehr und steigender Lärmentstehung muss etwas passieren.

 

Was fordern Sie?

Klaus Fuhrmann Wir fordern, dass es in Summe nach dem Ausbau der Rheintalbahn weniger Lärm gibt als heute.

 

Wie soll das gehen?

Klaus Fuhrmann Der wichtigste Grundsatz ist, dass das Problem dort gelöst werden muss, wo es entsteht. Weggeschoben ist leider nicht gelöst. Deshalb ist es wichtig, dass wir bei der Lärmentstehung anfangen. Dafür ist es notwendig, dass Güterzüge zu leisen Güterzügen, ähnlich den ICE, umgebaut werden. Die Schweiz hat das schon geregelt, ab 2020 dürfen da nur noch Flüsterwaggons durchfahren. Nutznießer sind alle Menschen in Europa, die den Schienenlärm heute hören. Die rund 600.000 europäischen Güterwaggons könnten für circa 1,2 Milliarden Euro zu Flüsterwaggons umgebaut werden. Und auch durch moderne Lärmschutzwände können Anwohner profitieren.

 

Befürworter des Neubaus an der A5 bezeichnen Lärmschutzwände als unzumutbare „Mauern“ im Ortsbild. Können Sie das Argument nachvollziehen?

Klaus Fuhrmann Teils ja, optisch ist nicht alles, was in der Vergangenheit entstanden ist, glücklich gewesen. Lärmschutzwände bis acht Meter Höhe an der Rheintalbahn oder sechs Meter Höhe an der Autobahn und hohe Lärmschutzwände an der bestehenden Rheintalbahn auch bei der Autobahn-Variante können nicht die alleinigen Lösungen sein. Es sind die Kombination und der Wille innovative Maßnahmen zu ergreifen und umzusetzen.

 

Was konkret meinen Sie damit?

Klaus Fuhrmann Wir müssen von den Lösungen der Zukunft und nicht der Vergangenheit sprechen. Wir reden hier von einem Bahnausbau 2030 und eventuell sogar 2040. Ein PC war vor 30 Jahren kaum erschwinglich, heute ist er Standard in jedem Haushalt. Wenn Sie heute über die Straße gehen, reicht es nicht mehr zu hören, ob ein Auto kommt, da ein Elektroauto kaum hörbar ist. Die Entwicklung wird auch beim Güter- und Bahnverkehr auf der Schiene weitergehen.

 

Was wären technische Lösungsansätze?

Klaus Fuhrmann Zum einen unterliegen auch Lärmschutzwände, deren Materialien und Konstruktionen einer laufenden Entwicklung. In 10, 20 oder 30 Jahren werden wir für die gleiche Lärmreduzierung wesentlich niedrigere Wände benötigen. Wir kennen das aus der Wärmedämmung, wo es schallschluckende Materialverbindungen gibt. Lärm besteht aus Schallwellen. Schon heute sind wir technisch in der Lage Schallwellen mit anderen Schallwellen zu beeinflussen. Das bedeutet mit technischen Geräten und nicht hörbaren Schallwellen können wir den Lärm reduzieren oder sogar absorbieren. Heute ist die Technik noch relativ teuer, wie damals die PCs, aber das ändert sich schnell, wenn der Bedarf da ist. Wir müssen solche Ansätze wesentlich stärker fördern.

 

 

Sie erwähnten Flüsterwaggons …

Klaus Fuhrmann Es muss eine Kombination sein aus Maßnahmen, die eine optimale Lärmreduktion an der Lärmquelle erreichen. Der Bahn- und Güterverkehrslärm entsteht hauptsächlich beim Berühren der Räder mit den Metallschienen. Die LL-Sohle ist ein Flüsterbremsen-Typ bei dem die Umrüstungsmassnahmen an Bestandsgüterwaggons kostentechnisch überschaubar und einfach durchzuführen sind. Seit 2013 ist sie in Europa zugelassen. Und es gibt noch viele Dinge, an die wir vielleicht gar nicht denken …