Projektfakten

Das Lärm-Problem verlagern ist keine konsensfähige Lösung

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Gebietet es nicht die Vernunft, in Zeiten knapper Kassen genau hinzuschauen und die vorliegenden Fakten mit kühlem Kopf im Interesse aller Bürger abzuwägen? Schon aus Verantwortung gegenüber der jungen Generation der Region, die nicht nur den Lärm, sondern auch die Naturzerstörung und die Kosten zu tragen hat. Derzeit können auf den bestehenden Gleisen der Rheintalbahn die Züge maximal 160 km/h fahren. Der ICE teilt sich mit dem Nahverkehr und dem Güterverkehr die zwei bestehenden Gleise. Auf Grund von internationalen Abkommen mit der Schweiz erfolgte bereits die Festschreibung im Bundesverkehrswegeplan, wie die Rheintalbahn auszubauen ist: 2 Gleise ausgerichtet auf eine Geschwindigkeit bis max. 250 km/h, 2 Gleise ausgerichtet auf eine Geschwindigkeit bis max. 160 km/h. Bisher wollte man die Vorgaben erfüllen durch den Anbau zweier weiterer Gleise direkt an den bestehenden Bahnkörper. Eine Baustelle, die überschaubar wäre.

Wie sähe die Baustelle aus, wenn tatsächlich eine Neubaustrecke im Bereich der Autobahn durchgesetzt würde?


Streckenführung parallel zur A5 – drohende Konsequenzen

Fakt 1: Alltägliche Staus
Im Rahmen der fast 40 Kilometer langen Baustelle und der mehrjährigen Bauzeit werden auch alle Anschlussstellen der A5 umgebaut. Nur eingeschränkt werden diese mit PKW und LKW zu befahren sein. Umleitungen und Staus werden alltäglich!
Fakt 2: Baustelle mal zwei
Auch die Gleise der bestehenden Rheintalbahn werden für den ICE ertüchtigt. Der gesamte Unterbau wird erneuert und die Gleisabstände werden aufgeweitet. Eine zweite ebenfalls fast 40 Kilometer lange Baustelle von Offenburg bis Riegel in Sichtweite zur Baustelle der Neubaustrecke!
Fakt 3: 6 Gleise im Rheintal
Die bestehende, zu ertüchtigende Rheintalbahn erhält Überholgleise in Niederschopfheim sowie von Friesenheim bis Lahr und in Orschweier sowie von Ringsheim bis Kenzingen. So soll der schnelle ICE ungehindert den langsamen Personen- und Güterverkehr überholen können. Die kreuzenden Straßenbrücken in diesen Breichen werden abgerissen und neu gebaut. Die Erreichbarkeit der für die Wirtschaft so wichtigen Verkehrswege B3 und A5 wird jahrelang erschwert. Das Pendeln zur Arbeit wird zur Qual.

Fakt 4: Güterzüge überall
Sowohl auf der Neubaustrecke als auch auf der dann ertüchtigten bestehenden Rheintalbahn werden Güterzüge auch mit Gefahrgut fahren. Selbst wenn die Neubaustrecke gebaut wird, würde das noch lange nicht die erhoffte Lösung für die bislang unter dem Lärm leidenden Bürger an der alten Strecke bedeuten. Die bleibt für den Personenverkehr und den Gütertransport bestehen und wird natürlich weiterhin von Zügen befahren. Allerdings wird dort kein Lärmschutz eingesetzt, wie er bislang im Zuge der Antragstrasse vorgesehen ist. Für die Menschen bedeutet das: Die Lärmsituation an der alten Strecke wird trotz neu gebauter Überholgleise beispielsweise in Niederschopfheim oder Orschweier nicht verbessert.
Fakt 5: Bauruinen
Sämtliche infrastrukturellen und baulichen Planungen und Maßnahmen wie Umgehungsstraßen oder Brücken, die seit Jahrzehnten auf die bereits geplante Antragstrasse hin ausgerichtet waren, verlaufen nun buchstäblich im Nichts. Dafür ist die Brücke von Ringsheim, ausgelegt für ein künftiges Gleis 3 und 4 parallel der bisherigen Strecke, eindrückliches sichtbares Mahnmal. Bereits getätigte Investitionen im Millionenbereich gehen verloren.

Fakt 6: Genehmigung problematisch
Eine Neubaustrecke könnte erst in vielen Jahren gebaut werden, da diese noch umfangreiche Planrechtsverfahren durchlaufen muss. Ob eine Neubaustrecke grundsätzlich überhaupt genehmigungsfähig ist, bleibt abzuwarten.
Fakt 7: Vertragstreue
Das von der Bundesrepublik vertraglich vereinbarte Ziel mit der Schweiz, die entsprechenden Schienenkapazitäten bis zur Grenze bis zum Jahr 2019 herzustellen, kann so nicht erreicht werden. Nichtsdestotrotz wird der Transit für LKW durch die Schweiz ab 2019 massiv reglementiert. Die Parkplätze entlang der A5 und in den umliegenden Gewerbegebieten werden mit wartenden LKWs überfüllt sein und der Rückstau an der Schweizer Grenze wird um viele Kilometer länger.

Fakt 8: Verkehrsprojekte auf Eis
Durch die hohen Baukosten einer Neubaustrecke werden wichtige andere Verkehrsprojekte in Baden-Württemberg wie die Unterhaltung der Landestraßen nicht verwirklicht.
Fakt 9: Flüsterwaggons
Die ca. 600.000 europäischen Güterwaggons könnten für ca. 1,2 Milliarden Euro zu Flüsterwaggons umgebaut werden. Umfangreiche Schallschutzmaßnahmen an Eisenbahnstrecken würden so teilweise überflüssig. Ein Ziel für das die Regionen gemeinsam kämpfen sollten! So würde jeder Bürger entlang der Bahnstrecken in ganz Europa profitieren.